07.02.2019

Bei der femtosekundenlaser-assistierten Katarakt-Operation handelt es sich um eine moderne Form der Grauen Star Operation, bei welcher ein Laser dazu eingesetzt wird, einige Schritte der Operation mittels eines hoch präzisen Lasers durchzuführen. Einerseits ermöglicht dies zum Beispiel den Operationsschnitt und die Öffnung der Linsenkapsel sehr präzise durchzuführen. Andererseits sind der Einsatz des Lasers und die zusätzlich nötigen Verbrauchsmaterialien sehr teuer. Die Krankenkassen übernehmen diese Zusatzkosten nicht. Der Patient muss daher Kosten in der Grössenordnung von 2000 Franken pro Auge selber bezahlen.
Die Einführung der FLACS war von Anfang an sehr von der Industrie vorangetrieben worden während früh kritische Stimmen laut wurden, welche den Nutzen dieser Technologie anzweifelten. Tatsache ist, dass ein gut ausgebildeter Chirurg die vom Laser übernommenen Schritte ebenfalls sehr präzise und zuverlässig durchführt. Gewisse Aspekte (wie die Dauer der Operation und die Sterilität) sind bei der herkömmlichen manuellen Technik sogar günstiger. Beim Laser muss zuerst ein Laser-Interface angedockt werden, was Zeit braucht und nur aufwändig wirklich steril gemacht werden kann.

Zudem ist die Operation bei „einfachen“ Standardfällen auch von Hand sehr präzise und sicher für einen Chirurgen durchführbar. In schwierigeren Fällen, wo man gerne auf die Hilfe des Lasers zurückgreifen würde (enge Pupille, Narben in der Hornhaut, sehr tiefliegendes Auge und andere Situationen) ist ausserdem der Einsatz des Lasers gar nicht möglich.

Zusammengefasst heisst dies: Dort wo man den Laser einsetzen kann, hat es keinen Vorteil und dort, wo es möglicherweise einen Vorteil hätte, kann man den Laser oft nicht einsetzten.

Diese ist übrigens nicht nur unsere persönliche Meinung: In einer grossen, 2015 publizierten Studie verglichen Wissenschaftler 2814 Operationen mit Laser und 4987 konventionelle Operationen aus 27 Kliniken in Europa und Australien miteinander (Yong WWD et al. Dez 2018, Link: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30098347). Dabei zeigte sich, dass beide Methoden sehr gute Resultate bezüglich Sehschärfe und Komplilationen haben. Die FLACS war überhaupt nicht besser oder sicherer als die herkömmliche Methode „von Hand“. Es traten zum Beispiel bei der Laser-assistierten Methode in 0.7% eine Ruptur der hinteren Kapsel auf (eine typische Komplikation während der Operation), bei der herkömmlichen Methode in nur 0.4%. Schwierigkeiten nach der Operation (zum Beispiel Probleme mit dem Augendruck oder vermehrte Augenreizungen) traten bei FLACS in 3.5% auf, bei der traditionellen Methode in lediglich 2.3%. Während alle diese Zahlen sehr gut sind zeigen sie auf jeden Fall keinen Vorteil der Laser-Methode. Ein Aufpreis von 2000 Franken ist daher unserer Ansicht nach in normalen, unkomplizierten Fällen NICHT gerechtfertigt. In ausgewählten Einzelfällen, zum Beispiel bei Grauem Star nach Unfällen oder gewissen Begleiterkrankungen des Auges, kann eine FLACS Vorteile haben und gerechtfertigt sein. In der grossen Mehrzahl der Fälle ist die FLACS aber nicht zu empfehlen, da sie keinen Mehrwert für den Patienten bringt.

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